Vorfreude: Interview mit Chefcoach Danny Heister vor der neuen Saison
"Am Ende zählt natürlich das Ergebnis, das muss ich schon genau so sagen"
Danny, wir, das Team hinter dem Team und alle Fans, sind wirklich voller Vorfreude auf die neue Saison. Wie sieht es bei dir und der Mannschaft aus?
Ja, bei uns natürlich auch. Natürlich kann ich nur für mich sprechen, aber es ist immer wieder schön, in eine neue Saison zu starten. Wir haben dieses Jahr natürlich ein sehr starkes Team. Deshalb sind wir vielleicht sogar gemeinsam mit Saarbrücken Favorit. Wir haben natürlich auch gut aufgerüstet. Also ja, ich habe wirklich richtig Bock, wieder in die neue Saison zu starten.
Der Tischtenniskalender ist wie immer prall gefüllt, die Spieler sind auf der ganzen Welt unterwegs. Wie läuft die Vorbereitung?
Die Vorbereitung ist ein bisschen anders als normal. Kanak, Anton und Dang haben natürlich ein paar Turniere gespielt, zuletzt in Schweden, davor waren sie in Japan. Wenn sie dort ausgeschieden sind, kommen sie wieder zurück. Am Wochenende sind sie wahrscheinlich wieder da. Das heißt, ich sehe die drei eigentlich erst ganz kurz vor dem ersten Spiel. Mit Li und Fan sind wir schon seit ein paar Wochen im Training. Für mich ist das so okay. Mit den beiden mache ich Training, bei den anderen schaue ich mir die Spiele an. Wenn sie zurückkommen, bereiten wir uns dann gemeinsam auf das Spiel vor.
Der Wechsel von Fan Zhendong zur Borussia ist nach wie vor ein großes Thema. Wenn man einen Olympiasieger und Weltmeister im Training sieht: Ist das für einen Trainer noch einmal etwas Besonderes – oder ist er für dich inzwischen einfach „einer aus dem Team“?
Ja, natürlich ist das auf der einen Seite schon allein vom Namen her etwas Besonderes. Aber ich fange jetzt auch an, ihn immer besser kennenzulernen. Und er ist ein sehr, sehr netter Mensch. Bis jetzt läuft das alles ganz gut. Auf der anderen Seite habe ich auch sieben Jahre mit Timo Boll trainiert. Timo war ebenfalls die Nummer eins der Welt. Am Ende ist Fan natürlich auch nur ein Spieler in meiner Mannschaft – ein besonderer Spieler, aber ich muss dafür sorgen, dass alle gut spielen. So richtig besonders ist es im Alltag für mich deshalb gar nicht. Natürlich muss ich ein bisschen auf die Fans und solche Dinge achten. Aber die ersten zwei, drei Wochen liefen perfekt. Er ist ein anständiger, sehr netter Mensch und es ist einfach, mit ihm zu arbeiten.
Mit Dang Qiu, Anton Källberg, Kanak Jha, Li Yongyin und Fan Zhendong hast du fünf Spieler, die Anspruch auf Einsätze haben. Wie schwer ist es, zu entscheiden, wann wer spielt?
Kurz gesagt: Ich schaue und gucke. (lacht)
Alle werden eine gewisse Anzahl an Einsätzen bekommen, aber natürlich geht es vor allem um die wichtigen Spiele. Und dann mache ich es eigentlich immer so: Ich schaue und überlege, was für die Mannschaft am besten ist und wer gerade am besten in Form ist. Wir haben eine sehr breite Auswahl. Es gibt auch ein bisschen Konkurrenz. Das möchte ich natürlich in der Mannschaft sehen, dass die Spieler sich gegenseitig noch einmal hochpushen. Wir haben alle nur noch ein Jahr Vertrag. Also müssen wir auch ein bisschen kämpfen. Und dann wird interessant sein zu sehen, wie jeder mit dem Druck umgeht.
Zum Saisonauftakt geht es am Dienstag nach Bad Homburg. Was wäre für dich ein guter Saisonstart – einmal unabhängig vom Ergebnis?
Am Ende zählt natürlich das Ergebnis, das muss ich schon genau so sagen. Wir wollen gut starten. Insgesamt werden wir es diese Saison auch ein bisschen anders machen, weil wir nicht immer mit vier oder fünf Spielern anreisen, sondern mit drei. Drei spielen, zwei bleiben im Training. Wir müssen Trainingsphasen einbauen, weil wir sonst einfach Zeit verlieren. Durch die WTT-Turniere verlieren die Jungs ohnehin schon viel Zeit. Da müssen wir genau hinschauen.Ich bin erst einmal froh, wenn alle wieder da sind, und dann nehme ich drei Spieler mit nach Bad Homburg. Und ich wünsche mir natürlich, dass die Mannschaft dann wirklich zusammenwächst.
Danach kommt Bad Königshofen zum ersten Heimspiel in die Mitsubishi Electric HALLE. Das wird ein großes Welcome-Fan-Zhendong-Event. Ist das für dich und die Mannschaft ein besonderes Spiel?
Ich denke, große Spiele und vor allem große Spiele in einer großen Halle sind immer etwas Besonderes. Wir wollen die Menschen auch unterhalten. Dafür kommen sie zu unseren Spielen.Natürlich ist es mit Fan noch einmal speziell. Aber wenn viele Leute da sind, ist es immer schön zu spielen. Gerade zum Auftakt wollen wir die Menschen unterhalten und eine Fanbase aufbauen. Das ist auch wichtig für die kommenden Spiele.Für mich ist es eigentlich immer super, vor so einer großen Kulisse zu spielen.
Zum Schluss vielleicht noch einmal die Frage, die du gar nicht so gerne hörst: Was ist dein Saisonziel?
Ich habe natürlich ein Ziel. Die Spieler sollten ein Ziel haben, gerade wenn man bei Borussia spielt. Und wenn man auf dem Papier sieht, was für eine Mannschaft wir haben, dann wollen wir natürlich so viele Titel wie möglich holen.Aber ich sage auch immer: Schritt für Schritt. Wir müssen uns immer weiter verbessern und im richtigen Moment fit sein. Wir müssen uns kontinuierlich weiterentwickeln.Im letzten Finale waren wir nah dran, aber dann haben wir es gerade nicht geschafft.Bei Borussia Düsseldorf gilt natürlich: Wir wollen einen Titel gewinnen. Und ich glaube, es ist jetzt zwei Jahre her, dass wir keinen Titel gewonnen haben. Das schmerzt schon ein bisschen. Von daher: Fangen wir erst einmal mit einem Titel an.


