DIMITRIJ OVTCHAROV

Steckbrief Dimitrij Ovtcharov

Spitzname: Dima
Geburtsdatum: 02.09.1988 (25 Jahre)
Geburtsort: Kiew (Ukraine)
Nationalität: Deutsch
Größe: 1,83 m
Gewicht: 71 kg
Aktueller Verein: Fakel Gazprom Orenburg (Russland)
Bisherige Vereine: TSV Schwalbe Tündern (bis 2007), Borussia Düsseldorf (2007 bis 2009), Royal Villette Charleroi (2009 bis 2010)
Aktueller Weltranglistenplatz: 4 (August 2014)
Aktueller deutscher Ranglistenplatz: 2 (August 2014)  
Schlaghand: Rechtshänder

Material
Holz: Waldner Senso Carbon
Belag: Bluefire M1

Größte Erfolge:
Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in der Mannschaft 2008
Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften in der Mannschaft 2012
Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen im Herren-Einzel und in der Mannschaft 2012
Goldmedaille bei den Deutschen Meisterschaften im Einzel 2014
Goldmedaille bei den Europameisterschaften im Einzel 2013
Goldmedaille bei den Europameisterschaften in der Mannschaft 2013
1. Platz German Open 2014
Bronzemedaille bei den Europameisterschaften im Doppel 2012
1. Platz German Open 2012
Goldmedaille bei den Europameisterschaften in der Mannschaft 2011
1. Platz Korea Open 2011
1. Platz Brazil Open 2011
Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften in der Mannschaft 2010
Goldmedaille bei den Europameisterschaften in der Mannschaft 2010
1. Platz Indian Open 2010
2. Platz Polish Open 2010
Achtelfinale bei den Weltmeisterschaften im Einzel und Doppel 2009
Goldmedaille bei den Europameisterschaften in der Mannschaft 2009
Goldmedaille bei den Europameisterschaften in der Mannschaft 2008
Goldmedaille bei den Europameisterschaften in der Mannschaft 2007
Bronzemedaille bei den Europameisterschaften im Einzel 2007

Auszeichnungen/Ehrungen:
Platz 4 Sportler des Jahres 2013
Tischtennisspieler des Jahres 2012, 2013
2x das Silberne Lorbeerblatt

Dimitrij Ovtcharov: Arbeiter und Kämpfer mit großen Visionen

Irgendwie war es schon früh klar: Dimitrij Ovtcharov hat die besten Voraussetzungen, um als Tischtennis-Profi weit zu kommen. Einen ehemaligen sowjetischen Nationalspieler zum Vater, eine A-Trainerin zur Mutter und eine große Portion Ehrgeiz und Eigenantrieb.  1988 im ukrainischen Kiew geboren, zog die Familie 1992 ins idyllische Hameln, wo Vater Mikhail und Mutter Tatyana dem  kleinen Dima die Grundlagen des Tischtennissports beibrachten. Bald trat Dimitrij zusammen mit Vater Mikhail dem lokalen Club TSV Schwalbe Tündern bei und entwickelte sich dort immer weiter.

Schnell erregte er auch international schon Aufsehen: 2002 erspielte er sich bereits bei den Jugendeuropameisterschaften Silber im Schüler-Einzel, 2005 war es dann Gold bei den Jungen.
Ebenfalls 2005 gelang Ovtcharov mit seinem Team TSV Schwalbe Tündern der Aufstieg in die erste Bundesliga, wo er schon bald die Spitzenposition übernahm.  Dass er zu den besten Nachwuchsspielern weltweit gehörte, stellte er 2006 bei den Jugendweltmeisterschaften in Kairo unter Beweis, wo er bis ins Halbfinale vorstieß. 

Kurz darauf bekam er dann auch seinen ersten Einsatz im Nationalmannschaftstrikot der Herren: Bei der EM-Qualifikation gegen Kroatien feierte er mit zwei Siegen über Adrian Crisan und Andrej Filimon einen tollen Einstand. Es war klar: Dimitrij Ovtcharov nutze seine guten Voraussetzungen, um sich von einem großen Tischtennistalent in einen großen Tischtennisspieler zu verwandeln. Kein Wunder, dass der deutsche Rekordmeister Borussia Düsseldorf auf den ehrgeizigen Ovtcharov aufmerksam wurde und ihn 2007 schließlich verpflichtete.

2008 gewann er mit der Borussia den Deutschen Pokal und die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft, bevor er mit der Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen nach Peking reiste und dort olympisches Silber im Team holte. Dimitrij Ovtcharov war mittlerweile dank unerbittlicher Arbeit und Akribie zur deutschen Nummer 2 hinter Timo Boll geworden und gehört zur goldenen-Generation der DTTB-Herren, die sich weltweit lediglich China geschlagen geben müssen.

2009 war er erneut sehr erfolgreich mit der Borussia und gewann erstmals in seiner Karriere die European Champions League. Im entscheidenden Rückspiel gegen den TTF Liebherr Ochsenhausen behielt er mit 3:1 die Oberhand gegen den starken Taiwanesen Chuang Chih-Yuan und startete somit nach der 2:3 Niederlage der Borussia im Hinspiel die furiose Aufholjagd der Borussia zum ECL-Sieg. Auch die deutsche Meisterschaft gewann er gemeinsam mit Timo Boll, Christian Süß und Marcos Freitas erneut. In der darauffolgenden Saison verließ er den Verein zur großen Enttäuschung aller Borussen bereits wieder, da er im Ausland weniger Liga-Einsätze hatte und sich besser auf seine internationale Karriere konzentrieren konnte. „Als wir Dima verpflichtet haben, war er in den 80er Plätzen der Weltrangliste – als er uns verließ war er auf Position 13“, erzählt Borussias Geschäftsführer Jo Pörsch. „Er hat wirklich einen kometenhaften Aufstieg hingelegt.“ Der Erfolg kam aber nicht von ungefähr: In der Trainingshalle war er immer einer der letzten und schaute man mal Sonntags in die Halle, war dort oft der Hamelner mit Vater Mikhail mitten in einer schweißtreibenden Trainingseinheit zu finden.

Der Schritt ins Ausland schien sich für ihn als richtig zu erweisen, er entwickelte sich spielerisch immer weiter und fuhr auf der Pro Tour Erfolge ein. Dann jedoch folgte im September 2010 der Schock: Ovtcharov wurde positiv auf Clenbuterol getestet und vom DTTB  mit sofortiger Wirkung vorläufig suspendiert. „Das war der schlimmste Tag in meinem Leben (…). Ich habe zuerst gedacht, dass ich machtlos bin. Dabei bin ich gerade auf dem Höhepunkt meiner Karriere, ich bin so gut drauf gewesen (…)Mit einer Sperre würde ich nicht fertig werden. Ich will und kann darüber gar nicht nachdenken. Dann wäre meine Karriere zerstört“, so äußerte sich Ovtcharov gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Die Suspendierung wurde nach einer Anhörung und Auswertung aller Daten, unter anderem einer Haarprobe jedoch im Oktober 2010 wieder aufgehoben. NADA und WADA akzeptierten das Ergebnis der Anhörung und legten keinen Einspruch ein und Ovtcharov war überglücklich. Anscheinend hatte der Nationalspieler das Clenbuterol  während der China Open unwissentlich beim Fleischverzehr zu sich genommen.

Nach der Doping-Affäre setzte Ovtcharov seine Karriere mit doppeltem Eifer fort. 2011 kam er bei den Weltmeisterschaften bis ins Achtelfinale, musste sich aber dort seinem Nationalmannschaftskollegen Boll noch beugen. 2012 schlug bei den Olympischen Spielen in London endlich seine ganz große Stunde: Als zweiter Deutscher nach Jörg Roßkopf gelang es ihm, mit einem Sieg gegen Chuang Chih-Yuan im Spiel um Platz 3 eine olympische Einzelmedaille zu gewinnen – sein großer Traum war Wirklichkeit geworden. Auch mit der Mannschaft holte er in London die Bronzemedaille.

2013 wurde er in Abwesenheit von Timo Boll erstmals Europameister und schlug die jahrelange deutsche Nummer 1 drei Wochen später auf dem Worldcup – mit diesem Erfolg überholte er Boll erstmals in der Weltranglisten und wurde zum besten europäischen Tischtennisspieler. Auch bei den Deutschen Meisterschaften 2014 schlug er seinen Kollegen und Freund im Endspiel, und hatte damit auch die deutsche Einzelmeisterschaft zu seiner Erfolgsliste hinzugefügt. Nach einer positiven Bilanz in Chinas Superliga im Sommer 2014 komplettierte er auch sein privates Glück und heiratete seine langjährige Freundin, die schwedische Ex-Jugendnationalspielerin Jenny Mellström.  Wer soll diesen Dimitrij Ovtcharov noch aufhalten?

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