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Paralympics Tokyo 2020: Enttäuschter Schmidberger verliert auch Team-Finale

Borussia Düsseldorfs Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle (Frickenhausen) haben am vorletzten Tag der Tischtennis-Wettbewerbe bei den Paralympics die Silbermedaille im Team gewonnen.

Das deutsche Duo unterlag China in einem mitreißenden Finale mit 1:2. Für Schmidberger ist es nach Silber im Einzel bereits das zweite Edelmetall in Tokio, allerdings auch das zweite knapp verlorene Endspiel. Insgesamt gab es für die Sportler der Borussia drei Medaillen, darunter das Einzel-Gold für Valentin Baus.

Sowohl Schmidberger/Brüchle als auch die chinesische Kombination hatten sich souverän für das paralympische Finale der Wettkampfklasse drei (mittlere Querschnittlähmung) qualifiziert. Es war das erwartete Duell um Gold. China trat mit der Nummer eins und sechs der Welt, Feng Panfeng und Zhai Xiang, an, Deutschland mit den Weltranglistenzweiten und -vierten, Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle.

Das deutsche Duo erwischte den besseren Start und ging mit 2:0-Sätzen in Führung. Die Asiaten schlugen zurück und glichen aus. Nach einem schnellen 3:0 für die Deutschen und einer Auszeit der Chinesen drehten Feng/Zhai das Spiel und lagen bald mit 8:5 in Front, doch die beiden Rollstuhl-Bundesligaspieler gaben nicht auf. Sie kämpften, kamen Punkt um Punkt wieder heran und erspielten sich bei 10:8 zwei Matchbälle. Den ersten wehrten der Einzel-Sieger und der Bronzegewinner noch ab, der zweite aber saß. Deutschland holte sich das so wichtige und richtungsweisende Doppel.

Anschließend traf Thomas Brüchle auf Feng Panfeng und lieferte dem Paralympics-Seriensieger ein heißes Match. Trotz aller Qualität im Spiel des Mannes vom TT Frickenhausen war der Favorit am Ende nicht zu bezwingen, der durch den 3:1-Erfolg auf 1:1 stellte. Somit musste das letzte Einzel zwischen Thomas Schmidberger und Zhai Xiang die Entscheidung bringen. Bereits im Halbfinale der Einzelkonkurrenz hatten sich die Wege der beiden Kontrahenten gekreuzt. Der Borusse hatte das Duell mit 3:0 für sich entschieden und knüpfte heute nahtlos an die erfolgreiche Partie an, gewann die Sätze eins und zwei mit 11:7 und 12:10.

Ein einziger Durchgang fehlte dem Düsseldorfer zum lange ersehnten Gold bei den Paralympischen Spielen nach Silber (Team) und Bronze (Einzel) 2012 in London und zweimal Silber 2016 in Rio. Jetzt sollte es endlich klappen mit dem ganz großen Wurf. Doch plötzlich riss der Faden, Schmidbergers druckvolles und variables Spiel, die Sicherheit in seinen Aktionen, das Selbstvertrauen - es war von einem Moment auf den anderen weg. Der 28-jährige Chinese nutze das zu seinen Gunsten und holte sich mit stoischer Ruhe die beiden Folgesätze jeweils mit 11:4. Schmidbergers Glaube, dem Spiel noch einmal eine Wendung geben zu können, kam nicht mehr zurück, die Gegenwehr war gebrochen. Der letzte und entscheidende Durchgang um Gold ging abermals mit 11:4 an Zhai Xiang. Dem deutschen Team bleibt wie schon 2016, als es ebenfalls den Chinesen im Finale unterlegen waren, Silber.

Die Tischtennis-Wettbewerbe sind für die Athleten von Borussia Düsseldorf zu Ende. Sie kehren mit dem herausragenden Ergebnis von einmal Gold (Valentin Baus, Einzel, Wettkampfklasse 5) und zweimal Silber (Thomas Schmidberger, Einzel und Team, Wettkampfklasse 3) von den Paralaympics Tokyo 2020 nach Düsseldorf zurück. Insgesamt holten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt bei den Olympischen und Paralympischen Spielen fünf Medaillen, vier davon gingen an Spieler von Borussia Düsseldorf. Zu den Erfolgen von Baus und Schmidberger kommen noch die Silbermedaille für Borussias Timo Boll sowie Bronze für Judoka Johannes Frey.

Stimmen zu den Paralympics 2021:

Thomas Schmidberger:
"Eigentlich schien unser Matchplan aufzugehen. Wir wollten das Doppel gewinnen, um dann zwei Chancen im Einzel zu haben. Ich hatte vor ein paar Tagen das Halbfinale gegen Zhai gewonnen und war voller Hoffnung, dass ich das Spiel wieder gewinnen kann. Am Ende wollte ich vielleicht zu viel, habe mir zu viel Druck gemacht und dann im Spiel die Lockerheit verloren. Ich bin unfassbar enttäuscht."

Valentin Baus:
"Es ist natürlich echt schwer, nach so einer Niederlage die richtigen Worte zu finden. Die beiden haben ein sensationelles Doppel gespielt. Thomas hat dann auch ein gutes Spiel gegen Feng gemacht und Tom ist überragend mit 2:0 in Führung gegangen. Dann hat Zhai einfach keine leichten Fehler mehr gemacht. Für eine genaue Analyse braucht man ein bisschen Abstand."

Sandra Mikolaschek:
"Das gibt es doch gar nicht. Wir haben Tom von der Tribüne aus angefeuert und versucht, ihm zu helfen. Aber es hat leider nicht gereicht. Das tut einfach nur weh. Wir leiden alle mit ihm und Thomas."

Andreas Preuß, Manager Borussia Düsseldorf:
"Wir haben alle total mitgefiebert und so gehofft, dass Tom und Thomas Gold gewinnen. Alle haben es ihnen gewünscht, dass sie sich den Traum erfüllen können. Es ist wirklich bitter, wenn man wie Tom zwei Finals so knapp verliert. Daran wird er noch eine Weile zu knabbern haben. Er muss das verarbeiten, wieder aufstehen und weitermachen. Dann wird in drei Jahren die nächste Chance bei den Paralympics in Paris bekommen. Trotzdem Glückwunsch zu zwei Silbermedaillen, das ist ein riesiger Erfolg für Tom, unseren Klub und unsere Stadt."

Das Finale (WK 3) im Überblick:

Deutschland - China 1:2
Thomas Schmidberger/Thomas Brüchle vs. Feng Panfeng/Zhai Xiang (CHN) 3:2 (11:8, 15:13, 4:11, 7:11, 11:9)
Brüchle  - Feng (CHN) 1:3 (13:11, 3:11, 8:11, 9:11)
Schmidberger- Zhai (CHN) 2:3 (11:7, 12:10, 4:11, 4:11, 4:11)

Alle Ergebnisse und weitere Informationen zu den Paralympics Tokyo 2020 finden Sie auf der offiziellen Webseite der Spiele olympics.com/tokyo-2020/paralympic-games/en/results/table-tennis/paralympic-schedule-and-results.htm und der ARD https://tokio.sportschau.de/tokio2020/paralympics/ergebnisse/index.html#tischtennis.

Foto: Matthias Ernst

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